Sicherheitsvideo aus Self-Storage-Anlagen: Was vor der Weitergabe von Aufnahmen an Versicherer oder die Polizei unkenntlich gemacht werden sollte

Łukasz Bonczol
Veröffentlicht: 23.3.2026

Wenn Betreiber von Self-Storage-Anlagen CCTV-Clips für Versicherer, Polizeibehörden oder andere Dritte aufbereiten, besteht das praktische Ziel darin, unnötige Identifizierbarkeit zu reduzieren und zugleich diejenigen Bestandteile des Materials zu erhalten, die für eine Schadenmeldung, eine Ermittlung oder die Prüfung eines Vorfalls relevant sind. In den meisten Einrichtungen bedeutet dies, vor dem Verlassen der internen Kontrollsphäre eine Gesichtsverpixelung und eine Verpixelung von Kfz-Kennzeichen anzuwenden. Dies ist am besten als Maßnahme zur Risikoreduktion zu verstehen, die auf den Prinzipien der Datenminimierung und des Need-to-know basiert, nicht als Garantie dafür, dass sämtliche kontextuellen Hinweise entfernt wurden.

Person lehnt in einer Self-Storage-Anlage an einer Wand und hält ein Klemmbrett. Zwei Kisten stehen in der Nähe auf dem Boden.

Was visuelle Datenanonymisierung bei Aufnahmen aus Self-Storage-Anlagen bedeutet

Dieser Beitrag konzentriert sich auf visuelle Identifikatoren in Videomaterial. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Stattdessen skizziert er einen praxisorientierten, auf die USA ausgerichteten Workflow, den viele Organisationen nutzen, wenn sie nur das Notwendige weitergeben und zugleich die Offenlegung unbeteiligter Personen und Fahrzeuge reduzieren möchten.

Mitarbeitende Person in einem Lager scannt mit einem Handgerät Kartons; umgeben ist sie von hohen Regalen mit Paketen und Behältern.

Was sollte in Vorfallsvideos aus Self-Storage-Anlagen unkenntlich gemacht werden?

Die Grundregel ist eindeutig: Unkenntlich zu machen ist jedes Merkmal, das eine Person, die für den Anspruchs- oder Untersuchungskontext nicht wesentlich ist, unmittelbar identifiziert oder mit vertretbarem Aufwand identifizierbar machen könnte — sofern kein klarer und dokumentierter Grund vorliegt, dieses Merkmal sichtbar zu belassen. In den Parkbereichen, Fahrgassen, Ladezonen und Empfangsbereichen von Self-Storage-Anlagen konzentriert sich dieses Risiko in der Regel vor allem auf Gesichter und Kfz-Kennzeichen. Weitere Identifikatoren können ebenfalls relevant sein, erfordern jedoch meist eine manuelle Prüfung und lassen sich in der Regel nicht zuverlässig rein automatisiert erfassen.

Element im Bildmaterial

Warum vor der Weitergabe unkenntlich machen?

Erkennungsmethode

Hinweise

Gesichter

Gesichter sind direkte Identifikatoren und bergen ein hohes Risiko der Re-Identifizierung.

Automatische Gesichtsverpixelung / -unkenntlichmachung

Häufig die erste Schutzmaßnahme im Sinne von Datenminimierung und De-Identifizierung.

Kfz-Kennzeichen

Kennzeichen können den Halter oder Fahrer eines Fahrzeugs direkt oder im Kontext identifizierbar machen.

Automatische Kennzeichenerkennung und Unkenntlichmachung

Besonders häufig zu schwärzen in weitergehenden Offenlegungs- oder Weitergabeszenarien, insbesondere wenn unbeteiligte Fahrzeuge erfasst sind.

Sichtbare Tätowierungen

Markante Körperkunst kann eine Person im jeweiligen Kontext identifizierbar machen.

Manuelle Unkenntlichmachung

Erfordert in der Regel eine redaktionelle Sichtprüfung statt einer automatisierten Erkennung.

Namensschilder oder aufgestickte Namen

Können Mitarbeitende oder externe Dienstleister vor Ort unmittelbar identifizieren.

Manuelle Unkenntlichmachung

Besonders sorgfältig in Empfangs-, Büro- und Ladebereichen prüfen.

Unternehmenslogos auf Kleidung

Können je nach Kontext indirekt ein kleines Team, einen Auftragnehmer oder einen Dritten identifizierbar machen.

Manuelle Unkenntlichmachung

Sind nicht per se personenbezogene Daten, sollten jedoch maskiert werden, wenn ein relevantes Identifizierungsrisiko besteht.

Computer- oder Kiosk-Bildschirme

Können beiläufig Namen, Kontodaten oder sonstige Identifikatoren offenlegen.

Manuelle Unkenntlichmachung

Sämtliche lesbaren Bildschirminhalte sollten vor Export oder Weitergabe geprüft werden.

Teams, die für diese Differenzierungen eine einheitliche Terminologie etablieren möchten, können das Glossar als Referenz heranziehen, wenn sie interne Prüfkriterien und Kategorien für die Unkenntlichmachung dokumentieren.

Blick durch Regale mit gestapelten Kartons, im Hintergrund ist eine unscharf dargestellte Person beim Ordnen von Gegenständen zu sehen.

Ein praxisorientierter Workflow für Self-Storage-Teams

1. Anfrage vorprüfen. Klären Sie, wer die Anfrage stellt, welche Informationen benötigt werden, welcher Zeitraum relevant ist und welcher minimale Bildausschnitt bzw. welche minimale Sequenz die Fragestellung tatsächlich beantwortet. Dies unterstützt eine Weitergabe nach dem Need-to-know-Prinzip und reduziert das Risiko einer übermäßigen Offenlegung.

2. Auf der Arbeitskopie eine automatische Unkenntlichmachung von Gesichtern und Kfz-Kennzeichen durchführen. Ein Tool wie Gallio PRO ist typischerweise für derartige On-Premise-Workflows ausgelegt; die automatische Unkenntlichmachung konzentriert sich dabei auf Gesichter und Kfz-Kennzeichen und nicht auf eine vollständige Körpermaskierung oder die Verarbeitung von Live-Streams.

3. Manuelle Prüfung auf verbleibende Identifikatoren durchführen. Tätowierungen, Logos, Namensschilder sowie Bildschirminhalte sollten vor dem Export geprüft und, sofern erforderlich, unkenntlich gemacht werden.

4. Beweisgeeignetheit verifizieren. Stellen Sie sicher, dass die relevante Handlung sowie der situative Kontext des Geschehens erhalten bleiben und dass Overlays oder Maskierungen keine Details verdecken, die Versicherer oder Ermittlungsstellen zur Bewertung des Vorfalls tatsächlich benötigen.

5. Export durchführen und Begründung dokumentieren. Halten Sie intern kurz fest, welche Inhalte unkenntlich gemacht wurden, aus welchem Grund dies erfolgt ist und wer die Freigabe zur Weitergabe erteilt hat.

6. Über einen kontrollierten Kanal weitergeben.

  • Bei Anfragen von Polizeibehörden sollte berücksichtigt werden, dass eine nachgelagerte Offenlegung unter Umständen später anhand einschlägiger Regelungen zum Informationszugang bzw. zu öffentlichen Akten bewertet wird; zusätzliche datenschutzbezogene Schwärzungen können daher weiterhin relevant sein.
  • Für Versicherer sollte ausschließlich das Material bereitgestellt werden, das zur Bearbeitung des Schadensfalls erforderlich ist; weitergehendes Bildmaterial ist nach Möglichkeit nicht zu übermitteln.

Person, die unter Verwendung einer mobilen Leiter einen Karton in eine hochgelegene Lagereinheit einräumt.

Was Versicherer typischerweise erwarten und was Polizeibehörden häufig benötigen

Versicherer benötigen in der Regel eine klare Sicht auf den Vorfall, die betroffene Lagereinheit bzw. das beschädigte Eigentum sowie den relevanten zeitlichen Ablauf. Ein gängiger operativer Ansatz besteht darin, einen eng abgegrenzten Videoausschnitt bereitzustellen, der das Ereignis zeigt, während nicht wesentliche Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht werden. So bleibt das Material auswertbar, ohne unbeteiligte Personen unnötig offenzulegen.

Anfragen von Polizeibehörden unterscheiden sich je nach Rechtsordnung und Verwendungszweck. Teilweise dient das Material ausschließlich Ermittlungszwecken; in anderen Konstellationen können sich Fragen einer nachgelagerten Offenlegung später im Rahmen öffentlich-rechtlicher Aktenzugangs- oder Transparenzregelungen stellen. Aus diesem Grund wenden viele Self-Storage-Betreiber eine konsistente Regel an: Gesichter und Kfz-Kennzeichen unbeteiligter Personen bzw. Fahrzeuge werden grundsätzlich unkenntlich gemacht, sofern die anfragende Behörde deren Sichtbarkeit für den konkreten Vorgang nicht ausdrücklich benötigt.

Im Zweifel stimmen viele Teams mit der anfragenden Stelle ab, welche Personen oder Fahrzeuge für den jeweiligen Sachverhalt so zentral sind, dass sie unverdeckt sichtbar bleiben müssen.

Person, die mithilfe einer mobilen Leiter einen Karton in ein hoch gelegenes Lagerabteil einlagert.

Toolbezogene Überlegungen zur Reduzierung von Datenschutz- und Privatsphärenrisiken

Eine On-Premise-Verarbeitung trägt dazu bei, dass das Ausgangsmaterial innerhalb der Anlage bzw. des Unternehmensnetzwerks verbleibt, und reduziert damit unnötige externe Exposition. In der Praxis bevorzugen viele Teams einen Ansatz, bei dem der automatisierte Anwendungsbereich bewusst eng definiert ist und den Prüfverantwortlichen eindeutig klar ist, welche Inhalte weiterhin einer menschlichen Nachkontrolle bedürfen. In diesem Modell werden Gesichter und Kfz-Kennzeichen automatisiert unkenntlich gemacht, während Tätowierungen, Namensschilder, Logos und Bildschirminhalte vor der Freigabe manuell geprüft werden.

Ein solcher Workflow lässt sich deutlich zuverlässiger etablieren, wenn die Organisation ihn anhand der eigenen Kameraperspektiven, Lichtverhältnisse und typischen Vorfallsarten validiert. Ein kleiner Pilottest mit der Demo-Version reicht häufig bereits aus, um zu prüfen, wie hoch der manuelle Nachbearbeitungsaufwand nach dem automatisierten Verarbeitungsschritt tatsächlich ist.

Teams, die vergleichen möchten, wie ähnliche Redaktions- bzw. Unkenntlichmachungs-Workflows in unterschiedlichen operativen Umgebungen umgesetzt werden, können ergänzend den Abschnitt Case Studies heranziehen. Dort finden sich Beispiele dafür, wie On-Premise- sowie hybride Auto-plus-Manuell-Review-Ansätze in der Praxis typischerweise strukturiert sind.

Mitarbeitende Person in einer Warnweste, die einen Lagergang entlanggeht, umgeben von Regalen mit unterschiedlich großen Kartons.

Aufbewahrung, Chain of Custody und Reproduzierbarkeit

Das Originalmaterial sollte aus Beweisgründen unverändert aufbewahrt werden; für die Weitergabe ist eine separate redigierte bzw. unkenntlich gemachte Kopie zu erstellen. Die Hash-Bildung für beide Dateien oder eine anderweitige Dokumentation der Dateiintegrität gemäß interner Richtlinie kann die Nachvollziehbarkeit der Chain of Custody unterstützen. Ebenfalls sinnvoll ist es, festzuhalten, welche Redaktions- bzw. Unkenntlichmachungseinstellungen angewendet wurden, oder — sofern die interne Richtlinie dies zulässt — die für die Maskierung verwendete Projektdatei aufzubewahren. Diese Maßnahmen helfen Versicherern und Ermittlungsstellen nachzuvollziehen, wie die weitergegebene Kopie erstellt wurde, ohne dabei unbeteiligte Personen offenzulegen.

Bei Fragen zur Implementierung, zur Gestaltung interner Prüfprozesse oder zur Anpassung eines Piloten an die Gegebenheiten Ihrer Anlage ist die Kontaktseite in der Regel der direkteste nächste Schritt.

Große Beton-Fragezeichen bilden einen tunnelartigen Durchgang, der zu einem hellen Licht führt und Neugier beziehungsweise die Suche nach Antworten symbolisiert. Schwarz-Weiß-Aufnahme

FAQ: Sicherheitsvideos von Self-Storage-Anlagen

Beeinträchtigt Gesichtsunkenntlichmachung den Beweiswert für Versicherer oder Polizei?

Sie kann in der Regel auf unbeteiligte Personen angewendet werden, ohne den zentralen Beweiswert der Aufnahme zu beeinträchtigen. Wenn ein Gesicht zentral für den Anspruch oder die Ermittlung ist, sollte dies vor dem Export mit dem Anfordernden bestätigt werden.

Ist Kfz-Kennzeichen-Unkenntlichmachung in den Vereinigten Staaten stets erforderlich?

Nein. Die Anforderungen variieren je nach Kontext und Rechtsordnung. Ein gängiger Risikominderungsansatz besteht darin, Kennzeichen unbeteiligter Fahrzeuge unkenntlich zu machen, insbesondere wenn die Aufnahme später umfassender offengelegt werden könnte.

Kann Gallio PRO vollständige Körpersilhouetten unkenntlich machen?

Nein. Der übliche automatische Umfang in diesem Workflow umfasst Gesichtsunkenntlichmachung und Kfz-Kennzeichen-Unkenntlichmachung anstelle vollständiger Körperanonymisierung.

Führt Gallio PRO Echtzeit-Anonymisierung oder Videostream-Anonymisierung durch?

Nein. Der hier diskutierte Workflow basiert auf der Verarbeitung aufgezeichneter Fotos und Videos anstelle von Live-Streams.

Was ist zu tun, wenn Aufnahmen Tätowierungen, Logos oder Namensschilder enthalten?

Diese Elemente erfordern in der Regel manuelle Maskierung während der Überprüfung, bevor die Aufnahme geteilt wird.

Speichert Gallio PRO Protokolle von Erkennungen oder personenbezogene Daten?

Dies sollte anhand der aktuellen Produktdokumentation, Bereitstellungseinstellungen und umgebenden Infrastruktur überprüft werden, bevor eine kategorische Aussage in Richtlinien oder öffentlich zugänglichen Texten getroffen wird.

Wie kann ein Team den Workflow On-Premise testen?

Beginnen Sie mit einer kurzen Zwischenfallaufnahme, führen Sie den automatischen Durchlauf durch, fügen Sie bei Bedarf manuelle Masken hinzu und bestätigen Sie, dass die endgültige Ausgabe den Ereigniskontext bewahrt, während die Exposition unbeteiligter Personen und Fahrzeuge reduziert wird.

Referenzliste

  1. NISTIR 8053 - De-Identification of Personal Information, National Institute of Standards and Technology. https://csrc.nist.gov/pubs/ir/8053/final
  2. ISO/IEC 20889:2018 - Privacy enhancing data de-identification terminology and classification of techniques, International Organization for Standardization. https://www.iso.org/standard/69373.html
  3. CCTV Technology Handbook, U.S. Department of Homeland Security, Science and Technology Directorate, 2013. https://www.dhs.gov/sites/default/files/publications/CCTV-Tech-HBK_0713-508.pdf
  4. Body-Worn Camera Toolkit resources, Bureau of Justice Assistance. https://bja.ojp.gov/program/bwc/resources-faqs/resources
  5. California Consumer Privacy Act, Cal. Civ. Code § 1798.100 - 1798.199.100. https://oag.ca.gov/privacy/ccpa
  6. U.S. Department of Justice, Guide to the Freedom of Information Act - Exemptions 6 and 7(C). https://www.justice.gov/oip/doj-guide-freedom-information-act-0